Als die Compagnie am Montag wieder ins Ballettzentrum kam, sahen alle Tänzer entspannt aus, einige braun gebrannt vom Urlaub in der Sonne. Trotzdem standen alle in den Startlöchern: Für Donnerstagabend stand die erste Vorstellung von »Nijinsky« auf dem Spielplan – ein Ballett, das wir seit fast zwei Jahren nicht mehr aufgeführt haben.
Die Compagnie hat nur etwas mehr als drei Tage, um eine von John Neumeiers berühmtesten Choreografien zu probieren. Die Ballettmeister und die Choreologin Sonja Tinnes, die alle Choreografien in der Tanzschrift »Benesh« in Partituren aufschreibt, waren intensiv mit der Einstudierung beschäftigt. Die Ballettmeister sind dabei vor allem praktisch mit der Choreografie vertraut, während Sonjas umfangreiches Wissen über Tanz-Partituren gebraucht wird, um alle Details der komplexen Partituren zu entschlüsseln.
Bei dem Zusammenwirken der einzelnen Teile der Choreografie ist Sonjas Wissen gefragt – geprobt wird hauptsächlich in Abschnitten und Gruppen. Auch über die Platzierung, die letztendliche Positionierung der Tänzer auf der Bühne, geben die Partituren genaue Informationen. Denn erst bei einer letzten Probe auf der Bühne der Staatsoper am Donnerstag wurde das Ballett dann einmal als Ganzes durchgearbeitet.
Am Donnerstagabend war es dann soweit: Zwar hebt sich kein Vorhang, denn wenn die Zuschauer in den Saal kommen blicken sie bereits auf das Bühnenbild, den Ballsaal des Suvretta House, die Tänzer kommen einfach auf die Bühne, indem sie den Ballsaal betreten. Aber die 'Show' beginnt. Sonja und die Ballettmeister verfolgen die Vorstellung aus der letzten Reihe im Parkett: Von dort haben sie einen guten Blick auf das gesamte Geschehen auf der Bühne. Es läuft gut, das Publikum ist begeistert! Ein paar kleine Unebenheiten müssen natürlich noch ausgebügelt werde. Aber dafür sind Choreologin und Ballettmeister da: Nach der Vorstellung besprechen sie mit John Neumeier und den Tänzern, was noch verbessert werden muss und wie. Damit am Freitagabend alles noch besser wird!
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