Interview mit Matthias Kranzusch
Technik Hamburg Ballett
22.4.09, Staatsoper, 13.00 Uhr
von Elisa Müller
So oder ähnlich könnte der Grund dafür lauten, den Beruf des Technischen Leiters beim Hamburg Ballett zu wählen: Matthias Kranzusch, der diese Rolle schon seit über 10 Jahren inne hat, gewährt einen Blick hinter die Kulissen, wo Proben für die Wiederaufnahme von »Sylvia« stattfinden.
Als erstes lüftet er das Geheimnis der starken Jagdgefährtinnen Dianas und warum sie von der Seite des Zuschauerraumes so geübt exakt die Mitte der Zielscheibe mit ihren Pfeilen durchbohren: die Pfeile sind so hinter der Scheibe befestigt, dass ein Knopfdruck reicht, um den Pfeil von hinten durch die Scheibe schießen zu lassen. Dies geschieht so schnell, dass es für das Auge des Zuschauers nicht wahrnehmbar ist.
Die Verantwortung für derartige Details, aber ebenso für die technische Umsetzung von Proben und Vorstellungen des Balletts liegt bei Matthias Kranzusch. Außerdem koordiniert er den Transport des Bühnenbildes oder die Abstimmung von Maßen und Kulissengröße bei Gastspielen in anderen Theatern. An der Hamburgischen Staatsoper arbeitet er mit der relativ kleinen technischen Truppe des Balletts und muss die Balance finden zwischen Auf- oder Abbau von Bühnendekorationen im Zusammenspiel von Opernvorstellungen und Ballettproben. Vor allem aber ist es Kranzuschs Aufgabe, die technischen Lösungen für die Umsetzung der optischen Vorlagen von Bühnenbildentwürfen zu finden. Dabei müssen Fragen zur Montage, Schwere und Stoffbespannung der einzelnen Bühnenelemente geklärt werden – dies erfordert Kenntnisse der Materialien genauso wie eine große Kreativität für die plastische Umsetzung.
Doch zurück zu »Sylvia«: „Die weißen Seitenwände des ersten und dritten Bildes habe ich aus Zeitgründen schon eine Woche vorher montieren lassen“, berichtet Kranzusch. Überhaupt scheint bei der Wiederaufnahme Vieles eine Frage der zeitlichen Organisation zu sein: drei Wochen vor der Premiere holte man die ausgelagerten Utensilien des Bühnenbildes und prüfte zunächst, ob alles vorhanden war, da das Ballett zwischenzeitlich ausgeliehen worden war. „Dabei kontrollieren wir auch, ob Einzelteile beschädigt wurden und von unseren Schlossern, Tischlern und Feinmechanikern in der Opernwerkstatt repariert werden müssen.“ Diese enge Zusammenarbeit auch mit dem Werkstattleiter ist ein weiterer wichtiger Aspekt der technischen Leitung.
In Kranzuschs Notizen sieht der technische Ablauf von »Sylvia« folgendermaßen aus:
1) Waldbild: grüner Wandhänger, Bäume eingesetzt, grüner PVC Boden (darunter weißer PVC), in Wandhänger eingebaute Tür fällt um, Trapez mit Tänzer von oben;
2) Pause: grüner PVC weg (darunter ist weiß), Wände seitlich grüne Pelle ab (darunter ist weiß), hinten weiße Wand und Rücksetzer mit Tür ein, Torso ein;
3) Lichtpause: Torso weg, Bäume vorn einsetzen, hinten grüne Wand mit blauem Rücksetzer;
Ein Kinderspiel, könnte man meinen, doch der Wechsel von Bühnenbild und Dekoration wirkt nur deshalb so leicht, weil dahinter nicht nur die neueste Bühnentechnik steckt, sondern auch das leidenschaftliche Engagement von allen Mitwirkenden hinter der Bühne.
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