Von Elisa Müller
Barbara Huber betreut seit Beginn der Spielzeit das Hamburg Ballett als Garderobenmeisterin. Ihre langjährige Berufserfahrung, auch bei der Oper, helfen ihr die verschiedenen Anforderungen dieser Rolle zu meistern: »Ich trage die Verantwortung für die passende Kostümausstattung der Vorstellungen. Das heißt, ich beaufsichtige die Reinigung, Aufarbeitung und Änderung der Kostüme. Außerdem kümmere ich mich um die Personaleinteilung sowie den Aufbau von Umkleidekabinen und Schminktischen hinter der Bühne. Ich koordiniere die zeitliche Planung der Transporte vom ausgelagerten Kostümfundus zur Staatsoper und übernehme die Regie für alle Belange der Garderobe und Maske auf Gastspielen in anderen Theatern.«
Für die Wiederaufnahme von »Sylvia« überprüfte Huber bereits drei Monate im Voraus, ob die Kostüme im Fundus Licht- oder Mottenschäden davongetragen hatten – das letzte Mal war das Stück 2000 zu sehen. »Nachdem die Besetzung feststeht, beginne ich mit dem Sortieren der Kostüme. Dabei ist das Wissen vieler langjähriger Mitarbeiter des Hamburg Ballett von großem Vorteil. Sie können die Kostüme zuteilen, je nach Größe und Maße ehemaliger Tänzer und Tänzerinnen. Anschließend bestellen wir die Tänzer für einen Nachmittag zur Anprobe ins Ballettzentrum. Bis zum letzten Tag vor der Vorstellung arbeiten dann Näherinnen in den Kostümwerkstätten an den Änderungen der Stoffe.«
Für »Sylvia« mussten Kostüme für 9 Jägerinnen, 7 Waldpaare, 7 Schäfer, 12 Ballpaare sowie für die verschiedenen Solorollen wieder aufgearbeitet werden. »Obwohl die Kostüme eher schlicht im Schnitt sind, so werden doch Akzente mit Farben gesetzt«, findet Huber und erklärt weiter: »Die Kostüme für die Waldszenen sind in grün gehalten. Die Paare der Ballszenen tragen dunkle Kostüme, wobei sie in drei Gruppen unterteilt sind. Eine Gruppe ganz in schwarz, eine weitere in dunkelrot und die dritte in dunkelblau. Es sind festliche Korsagenkleider mit knöchellangem, weit ausgestelltem Rock für die Frauen. Die Männer tragen schwarzen Frack.« Kostüme dienen auf der Bühne oft dem Zweck den Wesenszug einer bestimmten Rolle zu unterstreichen. So versinnbildlichen die Jägerinnen mit Pfeil und Bogen, kurzen schwarzen Hosen, knappen Bustier und brauner Lederweste ganz das Bild der sportlichen und starken Amazone. Amor dagegen trägt einen roten Rucksack mit weißen Flügelchen. Später erscheint er in weiter Latzhose und umgedrehter Kappe auf dem Kopf. »So wird sein Charakter des humorigen Gesellen hervorgehoben,« erläutert Huber.
Das handwerkliche Wissen um die Textur der Stoffe ist in dem Beruf der Garderobenmeisterin wichtig und erfordert mehrere Lehrjahre in Schneidereien. Huber weiß, worauf beim Ballett zu achten ist: »Selbstverständlich ist für alle Kostüme der Tänzer größtmögliche Bewegungsfreiheit entscheidend. Dies lässt sich auf zweierlei Art erreichen: Einerseits könnten weite Kostüme verwendet werden. Solche Kleidung würde allerdings viele Bewegungen der Tänzer verstecken und ist somit für das Ballett nicht geeignet. Die andere Möglichkeit ist die Verarbeitung von elastischen Materialien.« Es leuchtet ein, dass dies die bewährte Methode für den Tanz ist.
Drei verschiedene Berufe hinter der Kulisse des Hamburg Balletts genauer unter die Lupe genommen machen eines besonders klar: als Zuschauer nehmen wir das Zusammenspiel von Choreografie, Musik, Bühnenbild, Beleuchtung und Kostüme als Gesamtkunstwerk war und konzentrieren uns selten auf Einzelaspekte der Inszenierung. So können wir uns zurücklehnen und das Bühnengeschehen auf uns wirken lassen. Wir erleben Menschen wie Kranzusch, Hoff-Podgorsky und Huber nicht live auf der Bühne. Dennoch tragen sie maßgeblich und auf ihre eigene künstlerische Art zum reibungslosen Ablauf der Vorstellung bei.
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