von Elisa Müller
»Eine Menge beruht auf Improvisation«, antwortet Uschi Ziegler fröhlich auf die Frage, was zu ihren Aufgaben als Organisatorische Leiterin der Ballettschule des HAMBURG BALLETT gehört. »Es ändert sich ständig etwas im täglichen Ablauf von Probenplänen für die Compagnie und die Ballettschule. Ich bespreche mich zunächst mit Marianne Kruuse, der Pädagogischen Leiterin der Ballettschule, und mit den Ballettpädagogen. Daraufhin erstelle ich die Stundenpläne und Probeneinteilung, was besonders koordiniert werden muss, wenn es um Vorstellungen geht, bei denen die Ballettschüler und Tänzer der Compagnie gemeinsam auf der Bühne stehen.« Am 4. Mai war dies der Fall, als wir in »Des Knaben Wunderhorn / Vierte Sinfonie von Gustav Mahler« in der Hamburgischen Staatsoper auftraten.
Ihre Bühnenpräsenz konnten die Schüler mit einem dieser Stücke aber schon zuvor unter Beweis stellen: Die Vorstellung von »Jeux d’enfants / Des Knaben Wunderhorn« wurde bereits am 19. April in Stade gezeigt. Die Proben hierfür begannen im Januar. »Es war mit Sicherheit ein neues Erlebnis für die jungen Tänzer und Tänzerinnen ins `Land´ zu fahren«, meint Uschi Ziegler. Frauke von Lehe, die das Sekretariat verwaltet, behielt alle organisatorischen Details genau im Auge. Sie sorgte, in Absprache mit der Leitung des angeschlossenen Internats, für sämtliche Busfahrten und Verpflegung. Die Vorstellungen in Stade und an der Hamburgischen Staatsoper waren gut besucht und auch das Presseecho war durchweg positiv – ein schöner Lohn für die anstrengenden Probenwochen, für die Schüler wie für die Lehrer.
Dass Ziegler mit Leidenschaft und Freude seit nunmehr 30 Jahren auch erste Ansprechpartnerin für die Ballettschüler ist und bei Problemen alles versucht, um Lösungen zu finden, merkt man an ihrer offenen Art und ihrer Bürogestaltung. Die Wände sind tapeziert mit Fotos ehemaliger Schüler und Schülerinnen, Artikeln über Schulvorstellungen oder Geburtstagen des Ballettzentrums und sogar einem handsignierten Foto von John Travolta, der die Ballettschule einmal besuchte. In zwei riesigen Regalen sind die Aktivitäten der Ballettschule in den 31 Jahren ihres Bestehens genau dokumentiert und aufgezeichnet.
Der Aufbau der Ballettschule gliedert sich in die Vorschul-, Ausbildungs- und Theaterklassen, wobei die eigentliche Ausbildung zum professionellen Tänzer acht Jahre umfasst. An sechs Ausbildungsklassen (I-VI), schließt sich eine zweijährige Weiterbildung in den Theaterklassen VII und VIII an. Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren können sich bei den Aufnahmeprüfungen im Frühjahr für die Ausbildungsklassen I - VI vorstellen. Die Theaterklassen VII und VIII, in denen die Schüler zur Bühnenreife geführt werden, haben zusätzlich den Status einer »staatlich anerkannten Berufsfachschule für Ballett«. »Derzeit sind 19 Nationalitäten in unseren Theaterklassen vertreten«, berichtet Ziegler. »Außerdem sind etwa zwei Drittel der Compagnie ehemalige Schüler der Ballettschule, was uns sehr stolz macht.«
Doch zurück zu den Ballettschülern, um die sich hier alles dreht. Auch die Jüngeren kommen auf ihre Kosten wenn es um Gastspiele geht. So erzählt Ziegler: »Im Mai dieses Jahres besuchten wir mit Schülern der Ausbildungsklassen die »Tanztage Schleswig-Holstein«. Vor etwa 140 tanzbegeisterten Kindern gaben wir dort in einer Vorstellung Einblicke in die Arbeit der gesamten Ballettschule. Die Hobbytänzer, die wir dort besuchten, tauschten sich eifrig mit unseren `Profischülern´ aus. Gern hätten wir ein paar von ihnen mit zu uns genommen.«
Denn die Ballettschule des HAMBURG BALLETT freut sich über alle tanzbegeisterte Kinder im Alter zwischen 7 und 10 Jahren, die sich für die Aufnahme in die Vorschulklassen vorstellen möchten. Jeden Dienstag von 17.00 bis 18.00 Uhr ist dazu die Möglichkeit in den sogenannten `Schnupperstunden´ gegeben. Alle Interessenten sollten sich direkt an Ursula Ziegler oder Frauke von Lehe wenden: Tel. (040) 21 1188 31/-30
Doch ohne die Förderung und Unterstützung durch die beiden Vereine »Freunde des Ballettzentrums Hamburg e.V.« und »Ballettfreunde Hamburg e.V.« könnten die meisten Schüler die Ausbildung nicht wahrnehmen. Neuzugänge an Mitgliedern sind daher herzlich willkommen und sollten sich bei Interesse direkt an die »Freunde des Ballettzentrums Hamburg e.V.« richten:
Tel. (040) 21 11 88 31 / www.freunde-des-ballettzentrums.de
oder
an die »Ballettfreunde Hamburg e.V.«:
Tel. (040) 24 50 77 / www.ballettfreundehamburg.de
So viel berufliches Engagement für die Nachwuchsförderung immer wieder wechselnder Tänzergenerationen wirkt ansteckend. Uschi Ziegler ist die Seele der Ballettschule, seit Jahrzehnten hilft sie den Schülerinnen und Schülern in jeder Lebenslage. Ihr Enthusiasmus ist ungebrochen und hält hoffentlich noch lange an.
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