Das Parkett-Foyer der Hamburgischen Staatsoper war lichtdurchflutet und spiegelte das Hamburger Frühlingswetter, als Ballettintendant John Neumeier, Opernintendantin Simone Young und Opern-Geschäftsführer Detlef Meierjohann am 28. April gemeinsam das Programm der Spielzeit 2010 vorstellten. Lichtdurchflutet soll auch das Programm der Ballett-Saison 2010 werden, wenn es nach John Neumeier geht. Wieder gibt ein Thema den Rahmen der Spielzeit vor: »Fließende Welten«.
»Ich habe diesen Begriff, der ursprünglich aus der japanischen Holzschnitt-Kunst stammt, gewählt, weil ich seit Jahren Kultur fasziniert bin«, erklärte Neumeier vor etwa 50 anwesenden Journalisten der Hamburger Medienszene. »Das Motto symbolisiert die Brückenbildung zwischen verschiedenen Kulturen, Lebensstilen und Lebenschancen. Themen, die mich seit langem faszinieren und denen wir in der kommenden Spielzeit einen besonderen Raum widmen werden.«
»Fließende Welten« ist jedoch nicht nur Motto der Spielzeit, sondern auch der Titel der Premiere 2010 - ein dreiteiliger Abend, in dem die abendländisch geprägte Welt auf die Ästhetik und Tradition des Nô- und Kabuki-Theaters trifft. Neben den zwei Balletten »Seven Haiku of the Moon« und »Seasons – The Colors of Time«, die John Neumeier ursprünglich für das Tokyo Ballet geschaffen hatte, wird eine neue Kreation zu sehen sein. Auch hier sollen die Prinzipien des Nô-Theaters auf westliche Bewegungsformen übertragen werden.
Die erste Premiere der Saison beschäftigt sich mit dem Mythos um »Orpheus«. Fließend ist hier die Begegnung zwischen Mensch und Künstler, seine innerer Verstrickung zwischen Werk und Intention. »Die Rolle des »Orpheus« werde ich für den italienischen Tänzer Roberto Bolle kreieren, einer der größten Solisten unserer Zeit«, so Neumeier. »Mit ihm habe ich schon vor Jahren für das Ballett »Die Kameliendame« gearbeitet. Seitdem hatten wir über Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit nachgedacht. Ich freue mich sehr, dass es nun dazu kommt.«
Mit den beiden Wiederaufnahmen kehren zwei große Publikumsmagnete wieder zurück auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper: »Endstation Sehnsucht«, das ab November auf dem Programm steht, war seit über 20 Jahren nicht mehr in Hamburg zu sehen. Die zweite Wiederaufnahme, »Illusionen – wie Schwanensee«, verwebt das leben Ludwigs II. mit dem Stoff des wohl bekanntesten aller klassischen Ballette. Die fließenden Welten werden in beiden Balletten verkörpert, auf ganz unterschiedliche Weise: Hier gerinnt Blanches Vergangenheit zu sichtbarer Gegenwart, ein einziger, physisch aufgelöster Schrei, hervorgerufen durch Gewalt, Gefühllosigkeit und Vulgarität; dort pendelt Ludwig II. zwischen Illusion und Wirklichkeit.
Außerdem gibt es 2010 eine personelle Neuerung beim HAMBURG BALLETT: »Ich bin sehr glücklich, die Ernennung von Simon Hewett zum Ersten Dirigent für Ballett, bekannt zu geben«, verrät der Ballettintendant. »Hewett schafft es auf einzigartige Weise, nicht nur sehr gute Musik zu machen, sondern dabei gleichzeitig auf die Tänzer und ihre Bedürfnisse einzugehen.« Hewett wird Neumeier außerdem als musikalischer Berater zur Seite stehen.
Detlef Meierjohann und John Neumeier / © Anna Schwan
Zu den Premieren und Wiederaufnahmen kommen 10 weitere Repertoirevorstellungen. Somit zeigt das HAMBURG BALLETT insgesamt 14 verschiedene Ballette in der Spielzeit 2009/2010. Auch die Gastspiel-Compagnie der 36. Hamburger Ballett-Tage steht schon fest: Das Tokyo Ballet wird mit dem Ballett-Abend »Images of Asia« mit zwei Choreografien von Maurice Béjart auftreten.
Trotz der Wirtschaftkrise kann das HAMBURG BALLETT auch weiterhin sein Können auf verschiedenen Gastspielen zeigen, aktuell sind fünf Tourneen geplant: »Wir haben im September einen lang ersehnten Auftritt in Venedig, mit »Tod in Venedig«, freut sich Neumeier. »Im Oktober treten wir im Rahmen der Feierlichkeiten des 100-jährigen Jubiläums der Ballets Russes in St. Petersburg auf, wo wir »Vaslaw/Le Sacre/Nijinsky« zeigen werden.« Die Ballets Russes sind auch Anlass des Gastspiels in Monte Carlo im November. Hier wird »Nijinsky« gegeben. Außerdem geht es nach Baden-Baden mit »Sylvia« und nach Wien mit dem »Weihnachtsoratorium«.
Abschließend berichtete Neumeier von den Vorhaben seiner Ballettschule: »Die Ballettschule wird nicht nur in der Hamburgischen Staatsoper auftreten, sondern auch mit der »Werkstatt der Kreativität« an sechs Abenden im Ernst Deutsch Theater zu Gast sein. Und wir feiern im Oktober 2009 »20 Jahre Ballettzentrum«. Diesen Geburtstag begehen wir mit einer Ballett-Werkstatt gemeinsam mit Schülern des Ballettzentrums.
Doch natürlich bestreitet das Hamburg Ballett die nächste Saison an der Hamburgischen Staatsoper nicht allein. Auch die Oper verspricht ein vielfältiges Programm. Nicht nur wird mit der Premiere von »Siegfried« am nächsten Teil des Ring geschmiedet, auch die beiden Premieren »Lucia di Lammermoor« und »Aida« versprechen große Opernabende. Und Simone Young liegt es an der Einbindung der Jugend durch verschiedenste Education-Projekte. »Unsere Programme müssen gerade hier so spannend sein, dass wir uns auch als Insider am liebsten selbst mit hineinsetzen würden«, so ihre Forderung. Diesem Elan, gerade auch junge Leute für Oper und Ballett zu begeistern, können wir uns in jeder Hinsicht nur anschließen.
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