Mit strahlendblauem Himmel und mediterraner Wärme empfängt uns Venedig. La Serenissima at its best. Die Einzigartigkeit dieser Stadt ist so zwingend, so deutlich, dass auch wir uns ihrer besonderen Aura nicht entziehen können. Erst recht nicht, wo wir doch hergekommen sind, um »Tod in Venedig« im berühmten »La Fenice« zu zeigen. Das Ballett John Neumeiers, das wie kaum ein anderes die Liebe zum Leben beschwört. Wir alle fühlten uns bei der Ankunft ein bisschen wie Aschenbach, auf der Suche nach Inspiration, hin und hergerissen zwischen appolinischem und dionysischem Weltbild, und überwältigt von der Schönheit der Stadt. Es ist bereits das dritte Mal, dass das Hamburg Ballett in Venedig gastiert, nach einem Beitrag zu Maurice Béjarts Tanzfestival »Danza 75« im Jahr 1975, bei dem wir unter anderem Mahlers Dritte Sinfonie auf dem Markusplatz und Le Sacre im Fenice getanzt hatten sowie einem Gastspiel im Jahr 1983 mit dem Sommernachtstraum im »Fenice« und der »Matthäus-Passion« im der Kirche »San Giovanni e Paolo«.
Doch Venedig ist eben nicht nur Sehnsuchtsort, sondern auch Realität. Diese holte uns am Sonntag ein, als die Techniker beim Aufbau des Bühnenbilds vom Streik der hiesigen Bühnenarbeiter gegen Sonntagsarbeit überrascht wurden. Ab 14 Uhr konnte nicht weitergebaut werden. Das bedeutet schnelle Umdisposition, Extraschichten und starke Nerven. Inzwischen ist nun alles eingerichtet, die Bühne sieht wunderbar aus. Und die erste Durchlaufprobe ist in vollem Gang. Der Premiere heute, am Dienstagabend, steht nichts mehr im Wege.
89 Mitglieder des Hamburg Balletts sind in Venedig, davon sind 49 Tänzer. Zu viele Menschen, um gemeinsam in einem Hotel zu wohnen. Und so sind wir auf drei Häuser aufgeteilt, alle in der Nähe des »Fenice« gelegen, also direkt im Zentrum der Stadt. Während sich die Touristenströme durch die Gassen drängen, sieht man nun morgens und abends die Angehörigen des Hamburg Balletts zielstrebig in Richtung Theater gehen. Ein schönes Gefühl, so ganz selbstverständlich das »Fenice« betreten und zu einem Zuhause auf Zeit machen zu können.
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