von Merle-Sophie Röhl
»Wir konnten gar nicht alle Besucher reinlassen, so viele wollten unsere Aufführungen sehen!« Ulrike Schmidt, Betriebsdirektorin des HAMBURG BALLETT und Mitglied des Vorstandes der Hamburger Theaternacht e.V., war überwältigt von dem Andrang, den die Staatsoper am 12. September erlebte. Zur 6. Hamburger Theaternacht zogen 42 Bühnen über 15.000 Besucher an. Von sieben Uhr abends bis nach Mitternacht boten Schauspieler, Tänzer und Musiker ein einzigartiges Theatererlebnis. Viele, die keinen Platz mehr in der Oper bekamen, versammelten sich vor der Großbildleinwand im Biergarten, dem Kalkhof und verfolgten hier die Übertragung des Programms aus dem großen Haus. Andere nutzten die Chance, die Ballettschule des HAMBURG BALLETT zu sehen, die sich auf der Probebühne 1 präsentierte. Schülerinnen und Schüler der Theaterklassen im Alter von 16 bis 19 Jahren probten dort öffentlich für »Yondering«, ein Ballett von John Neumeier, kreiert zu der Musik von Stephen C. Foster.
Mit Ausschnitten aus Mozarts »Zauberflöte« begeisterte die Oper im großen Haus. Höhepunkt war das öffentliche Singen. Der »Weibermarsch« aus »Die lustige Witwe« von F. Lehár stand für die Besucher auf dem Programm. »Wer singt lauter - die Damen oder etwa die Herren?« mit dieser Frage wandte sich Simone Young provozierend an ihren »Chor« im Saal. Die Antwort überzeugte. Mühelos beschallten die männlichen Laienmusiker das Haus von der obersten Loge bis hinunter ins Parkett – danach herrschte tosender Applaus.
Nicht sichtbar für das Publikum fand währenddessen eine »Begegnung der Künstler« statt. Tänzer und Sänger nutzten die Möglichkeit sich gegenseitig über die Schulter zu schauen.
Mit einem Paukenschlag meldete sich das HAMBURG BALLETT zurück aus der Sommerpause zur Spielzeit 2009/10. Die erste Aufführung dieser Saison, »Nijinsky« wurde gewissermaßen als Auftakt der Theaternacht in der Staatsoper vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert. Nach der »Zauberflöte« betraten die Tänzer zum zweiten Mal die Bühne. Viele Besucher verfolgten begeistert die Ausschnitte aus »Nijinsky«, die John Neumeier, ähnlich wie in seinen Ballett-Werkstätten, moderierte und kamen wiederholt in den Saal.
Zur »Verrückten Stunde«, um zwölf Uhr, erfolgte ein Austausch der Bühnen, dem sich das Ballett und die Oper in diesem Jahr anschlossen. Ulrike Folkerts und Katharina Schnitzler aus dem Ernst Deutsch Theater sahen noch die letzten Ballettszenen. Angetan von der Stimmung in der Oper, unterhielten sie gut gelaunt mit ihrer Lesung das Große Haus.
Die Ballettschule des HAMBURG BALLETT ging im Wechsel ins Ernst Deutsch Theater. Dort gaben Schülerinnen und Schüler, moderiert von John Neumeier, einen Vorgeschmack auf ihre »Werkstatt der Kreativität«. Sie zeigten eigene Tanzkompositionen und Choreografien, u.a. zu Musik von Bach und Mozart. Zwei Stücke aus dem Repertoire waren bereits beim Schleswig Holstein Musikfestival in diesem Jahr vertreten. Orkan Dann, 26 Jahre alt und ehemaliger Schüler, verzauberte mit seinen »Vivaldi«-Choreografien die Besucher im größten Privattheater Deutschlands. Für alle, die neugierig geworden sind auf die »Werkstatt der Kreativität«: Sie findet im nächsten Jahr vom 1. bis zum 6. März im Ernst Deutsch Theater statt.
Hinter den Kulissen war »die Begeisterung der verschiedenen Teams, die bei der Theaternacht mitgewirkt haben faszinierend«, so Ulrike Schmidt. Sie war bis zwei Uhr nachts in der Oper beschäftigt bevor es mit Kollegen aus der Technik, Dramaturgie und dem Marketing zur Abschlussparty ins Café Keese ging. Besucher und Organisatoren der Hamburger Theaternacht trafen sich dort zum gemeinsamen Feiern.
O-Töne zum HAMBURG BALLETT und akustische Impressionen zur Theaternacht erhalten Sie als podcast hier
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