von Merle-Sophie Röhl
Die Tür fällt ins Schloss. Es ist still in der Bibliothek des Ballettzentrums. Zwei strahlende Augen schauen mir entgegen. Obwohl Laura Cazzaniga bereits seit Stunden für die Wiederaufnahme von »Endstation Sehnsucht« probt, ist sie konzentriert, freundlich und spontan bereit, mit mir in ihrer Pause über das Stück zu sprechen. »Das war schon ein Schock«, platzt es aus ihr heraus. Damit beschreibt sie ihre Empfindungen als sie sich zum ersten Mal John Neumeiers »Endstation Sehnsucht« ansah. Damals war sie ein Teenager. Sie sprang für eine Gruppentänzerin ein und tanzte im ersten Akt als Hochzeitsgast. »Es war mein erstes modernes Ballett«, erklärt die 39-jährige Ballettmeisterin, »und besonders die Musik, in Kombination mit dem Tanz, war neu für mich«.
Laura Cazzaniga / © Holger Badekow
Laura Cazzaniga besuchte ab 1987 die Ballettschule des HAMBURG BALLETT – John Neumeier. Ein Jahr später nahm der Hamburger Ballettintendant sie in die Compagnie auf. Die gebürtige Italienerin machte ihren Weg: Von der Gruppentänzerin, zur Solistin (1993), bis hin zur Ersten Solistin (1998). Seit 2008 ist sie nun Ballettmeisterin beim HAMBURG BALLETT.
Ihre erste Rolle in einem modernen Ballett bedeutet ihr auch heute noch viel. Das intensive Gefühl, dass sie damals erlebte und die Erfahrungen, die sie seitdem dazu gewonnen hat – beides versucht sie nun an die Tänzerinnen und Tänzer weiter zu geben. Für die Wiederaufnahme von »Endstation Sehnsucht« studiert sie mit der Compagnie Szenen aus dem ersten Akt »Belle Reve« und aus dem zweiten Akt »New Orleans« ein.
Auf die Frage, ob es nicht ungeheuer anstrengend und schwierig sei, ein Theaterstück tänzerisch zu auszudrücken, antwortet Laura Cazzaniga: »Unsere Sprache ist unser Körper«. Sie betont, dass jeder Balletttänzer genauso wie ein Schauspieler eine eigene »Tänzerpersönlichkeit« besitzt. Mimik, Gestik, der ganze Ausdruck, den eine Rolle abverlangt, bei dieser Entwicklung unterstützt sie jeden Einzelnen ganz individuell. Die Proben von »Endstation Sehnsucht« nehmen diesen Samstag ihr vorläufiges Ende. Dann wird nach zwanzig Jahren die Wiederaufnahme gefeiert. Laura Cazzaniga ist am Samstag nicht nur hinter den Kulissen mit dabei: Auf der Bühne wird sie zu Blanches Mutter.
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