»Die Liebe macht den Menschen besser, von welcher Seite sie auch kommen möge.« Dieses Zitat von Alexandre Dumas d.J. ist das Motto von John Neumeiers Ballett »Die Kameliendame«. Es trifft das Herz des Liebesdramas und erklärt, warum Zuschauer auf der ganzen Welt sich berührt fühlen von diesem Ballett. So auch hier in Peking. Das chinesische Publikum, eigentlich bekannt für seine zurückhaltende Art, ließ sich zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Aber was wirklich berührt, sind die Sekunden der Stille nach Marguerites Tod, der zunächst zögerliche Beifall, die Schreckensminute, die man fühlt, bevor das Publikum aus der Welt der »Kameliendame« auftaucht und wieder im Theater ankommt.
»Die Kameliendame« ist immer ein ganz besonderes Ballett, egal, wo wir sie spielen. Nicht nur für das Publikum. Es gibt auch für Tänzerinnen kaum eine bewegendere Rolle als die der Marguerite. Von der Diva wandelt sie sich im Laufe des Ballettabends zur Liebenden, zur Verstoßenen, zur Sterbenden. Die großen Gefühle des Lebens werden hier auf die Bühne gebracht. »Ich kann die Marguerite nicht tanzen, ohne zu weinen«, bekennt deshalb auch Joëlle Boulogne, die die Rolle bereits seit Jahren spielt.
Joëlle Boulogne / © Holger Badekow
Das geht auch Héléne Bouchet so, die in Peking ihr Debut feierte. Anschließend an die Vorstellung war sie in Tränen aufgelöst, überwältigt von den Gefühlen, durch die sie die letzten Stunden gegangen war und die sie mit überwältigender Ehrlichkeit ausgedrückt hatte. Die Bindung, die sie dabei zum Publikum in der riesigen Opernhalle des NCPA aufgebaut hatte, war jeden Moment greifbar gewesen, wie ein gespanntes Band zwischen Bühne und Zuschauerraum.
Edvin Revazov und Hélène Bouchet / © Holger Badekow
Dass »die Kameliendame« viel schauspielerisches Können verlangt, weiß auch Silvia Azzoni, die sie ebenfalls in Peking tanzt: »Ich bin als Marguerite eher Schauspielerin als Tänzerin. Ich merke gar nicht, welche Schritte ich tanze, sondern bin ganz in meiner Rolle drin.«
Silvia Azzoni und Thiago Bordin / © Holger Badekow
Über 250 Mal wurde »Die Kameliendame« inzwischen vom Hamburg Ballett getanzt. In verschiedensten Besetzungen. Jede Tänzerin hat »ihrer« Marguerite ganz eigene Züge gegeben. Im Mittelpunkt standen immer die großen Gefühle. Es sind persönlich geprägte Annäherungen an die Liebe, die hier auf die Bühne gebracht werden. Das erklärt vielleicht den großen Erfolg des Balletts. Auch hier in Peking.
Hélène Bouchet, John Neumeier und Edvin Revazov / © Holger Badekow
Kommentare