Kultur schafft Soft Power, heißt es in diplomatischen Kreisen. Das klingt für Normalbürger kryptisch. Gemeint ist, dass Kultur einen großen Einfluss hat auf das Bild eines Landes im Ausland und damit auf die Sympathiewerte, die dem jeweiligen Staat zugeschrieben werden. Als Elvis Presley in den 1950er Jahren als junger GI nach Deutschland kam, war er also nicht nur Soldat, sondern vor allem ein Kulturbotschafter der USA. »Schaut her, unsere Soldaten sorgen nicht nur für Frieden und verteilen Schokolade, sie spielen auch den besten Rock n‘ Roll der Welt« - das war die Aussage, die dahinterstand.
Heute setzen nicht mehr nur die USA auf Soft Power, sondern auch die Deutschen. Und ein wichtiger Kulturbotschafter für Deutschland ist das HAMBURG BALLETT. Nicht nur, dass Tanz im allgemeinen eine Kunstform ist, die wie Kunst und Musik ohne Worte verstanden werden kann, sondern das HAMBURG BALLETT ist auch weltweit bekannt. Auf jeder unserer Tourneen werden wir vom Publikum als Ballettensemble gesehen, aber auch als Beispiel dafür, was Deutschland auf kulturellem Gebiet leisten kann.
Deshalb arbeiten wir mit dem Goethe-Institut und den deutschen Botschaften zusammen, wenn wir auf Gastspiele gehen. So auch im Vorfeld unserer Premiere hier in Peking. Gemeinsam haben wir eine Pressekonferenz ausgerichtet, die von etwa 50 Journalisten besucht wurde, es gab einen Empfang für das HAMBURG BALLETT in der Residenz des Deutschen Botschafters, zu dem auch chinesische Tanzcompagnien geladen waren und das Goethe-Institut besuchte mit jungen chinesischen Tänzern unsere Durchlaufprobe am Tag der Premiere.
Michael Kahn-Ackermann, Regionalleiter Goethe-Institut Peking, Zhao Ruheng, Leiterin des National Ballet of China, John Neumeier, der Assistent der Leiterin des National Ballet of China / © Holger Badekow
»Das Hamburg Ballett ist eine der besten Ballettensembles der Welt und ein wichtiger Kulturbotschafter Deutschlands«, verkündete der Deutsche Botschafter Dr. Michael Schaefer auf dem Empfang. Und er unterstrich die zunehmende Bedeutung von Soft Power in den internationalen Beziehungen und in den Verbindungen zwischen Deutschland und China.
Botschafter Dr. Michael Schaefer, John Neumeier, Anna Schwan, Eduardo Bertini / © Holger Badekow
Die Gespräche mit den chinesischen Gästen am Abend des Empfangs, aber auch bei der Pressekonferenz und beim Probenbesuch zeigten, wie sehr das Interesse am Tanz in China in den letzten Jahren gewachsen ist. Obwohl das Land keine eigene Tradition in westlichem Ballett hat, nehmen immer mehr junge Chinesen Tanzunterricht. Allein in unserer Ballettschule haben wir inzwischen vier Chinesen, in der Compagnie ist es momentan einer. Zwar ist es noch ein weiter Weg, bis Tanz im allgemeinen und das HAMBURG BALLETT im besonderen in China ähnlich bekannt sind wie in Japan oder in anderen Teilen der Welt. Aber der Anfang ist gemacht. Das HAMBURG BALLETT als Kulturbotschafter. So nah können sich Kultur und Politik manchmal sein.
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