»Die rote Laterne« – Gastspiel des National Ballet of China
von Sandra Fischer
Am 5. und 6. Juli gastiert das National Ballet of China im Rahmen der 37. Hamburger Ballett-Tage in der Hamburgischen Staatsoper. Die Compagnie aus Peking zeigt das auf dem gleichnamigen Film basierende Ballett »Die rote Laterne«.
Die rote Laterne © National Ballet of China
Film und Ballett stammen von dem über die Grenzen Chinas hinaus bekannten Regisseur Zhang Yimou, welcher auch die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele in Peking 2008 künstlerisch gestaltet hat.
Zwei unserer Tänzer freuen sich ganz besonders auf die diesjährige Gastcompagnie: unsere Chinesischen Ensemble Mitglieder Dao Yuan Chen und Zhaoqian Peng.
Beide haben ihre Ausbildung zunächst an der Shanghai Ballet School begonnen und an der Ballett Schule des HAMBURG BALLETT fortgeführt. Dao ist dann 2009 und Peng 2010 in die Compagnie aufgenommen worden.
Zum Tanz gekommen sind Beide früh. Ballett ist auch in China ein beliebtes Hobby bei Mädchen, das sich bei Peng schnell von Freizeit-Beschäftigung zu Profession entwickelt hat. Dao nahm den Umweg über Walzer, Tango und Co. Dabei entdeckte ihn ein Lehrer und legte ihm Nahe, es doch einmal mit Ballett zu versuchen. »Vorher«, so der sympathische Chinese, »Hatte ich keine Ahnung von Ballett«.
Dao kam über den Prix de Lausanne, bei dem er 2007 als Finalist teilnahm, nach Hamburg. In Lausanne hatte ihn die pädagogische Leiterin und stellvertretende Direktorin der Schule, Marianne Kruuse, entdeckt und angesprochen. Auch Pengs Weg führte über Lausanne nach Hamburg: Sie ging 2009 als Siegerin aus dem renommierten Wettbewerb hervor. Von der Ballettschule des HAMBURG BALLETT hatte sie zuvor von Dao gehört, den sie aus der Schule in Shanghai kannte.
Beide haben sich in Hamburg gut eingelebt und fühlen sich wohl – auch wenn ihnen ihre Heimat zeitweise fehlt. Es sind vor allem Freunde und Familiemitglieder, die sie vermissen, aber auch die Atmosphäre Chinas. Erstaunlicherweise ist das Essen kein kritischer Punkt beim Thema Heimweh, denn Peng und Dao mögen das deutsche Essen. Und wenn sie Heimatküche brauchen, können sie auch in Hamburg chinesisch essen gehen.
Dao hat zur Zeit ein Stück Heimat in Hamburg: seine Mutter ist seit einigen Wochen zu Besuch. Sie ist das ständige telefonieren via Internet nach nunmehr zwei Jahren leid und wollte ihren Sohn endlich wieder sehen. Sein Vater hatte leider aus beruflichen Gründen keine Zeit und musste in China bleiben.
In Sachen Deutschkenntnisse müssen die beiden passen: »Für regelmäßigen Unterricht fehlt uns einfach die Zeit«. Aber fest vorgenommen haben sich das Deutschlernen beide, denn schließlich wollen sie weiterhin in Hamburg wohnen und arbeiten. Vorerst versuchen sie ihre Englischkenntnisse zu perfektionieren – aufgrund der internationalen Tänzer – aus 28 Ländern – ist Englisch die Alltagssprache der Compagnie.
Nach der Tanzkultur in China gefragt, finden beide, dass das Interesse an Tanz in China weniger stark sei, als in Deutschland. Beim letzten Besuch des HAMBURG BALLETT in China ist ihnen aufgefallen, dass sich dies positiv zu ändern scheint.
Auch in der Ausbildung fallen den Beiden einige Unterschiede ein. Der Ballett-Unterricht in China ist eher klassisch und stark auf die Tanztechnik fokussiert: »In China haben wir Balletttechnik gelernt, in Deutschland lernen wir zu tanzen. Hier vermittelt uns der Tanz ein starkes Freiheitsgefühl und wir können uns durch ihn ausdrücken.«
Aber natürlich übt auch das traditionelle chinesische Ballett seinen Reiz auf die Beiden aus. So freuen sich Peng und Dao sehr auf die Vorstellung der »Roten Laterne«, in der auch die Tradition der Peking Oper eine zentrale Rolle spielt. Die entsprechenden Rollen werden von eigens dafür ausgebildeten Darstellern übernommen, da dies eine sehr spezielle Kunst- und Darstellungsform ist. Peng kennt weder den Film noch das Ballett, hat aber schon viel von der Compagnie gehört.
Die rote Laterne © National Ballet of China
Dao verbindet mit dem National Ballet of China neben der Bewunderung für große Tanzkunst vor allem die Freundschaft zu einigen Tänzern. Er hält mit ihnen über das Internet regelmäßigen Kontakt. Er kennt zwar den Film »Rote Laterne«, hat die Ballettinszenierung bislang aber noch nicht gesehen. Als ich ihn nach dem Film frage, schmunzelt er kurz und gibt dann zu, dass er ihn dreimal sehen musste, um ihn wirklich zu verstehen. Das lag aber vor allem daran, dass er bei den ersten beiden Malen noch sehr jung war. Peng plant sich den Film im Abaton Kino anzuschauen, das ihn im Rahmen einer Kooperation mit dem HAMBURG BALLETT gleich an mehreren Terminen (3., 4., 5. und 10. Juli 2011) in Originalsprache mit Untertiteln zeigt.
Des Weiteren wird es in Kooperation mit dem Konfuzius Institut einen Deutsch-Chinesischen Dialog mit dem Titel „Vom Kinoregisseur zum Ballettchoreograf? Zur Rolle des Kino in China und Deutschland“ geben. Mehr Informationen zur Kooperation gibt es hier.
Auch die Zeit nach den Ballett-Tagen ist bei Beiden verplant: Es geht ab in den Urlaub. Dao plant einen Besuch in Taiwan und fährt im Anschluss nach Shanghai, wo er in seiner alten Schule auch wieder mit dem Training beginnen wird, denn zu lange können und wollen weder er noch Peng ohne Tanzen sein.
Kommentare