von Daniela Rothensee
Der Treppenaufgang markiert den Eintritt in eine andere Welt. BallettschülerInnen säumen die Stufen im Foyer der Handelskammer. Beim Empfang auf der Galerie mischen sie sich tanzend unter die Gäste und sind in ihrer schwarzen und roten Abendgarderobe kaum von ihnen zu unterscheiden. Gäste und Tänzer fügen sich, fast wie verabredet, mit Blumenarrangement und Tischdeko zu einem rot-weiß-schwarzen Gesamtkunstwerk. Fotografen und Pressevertreter sind im Gewühl auf der Suche nach Schnappschüssen und Kurzinterviews.
Viele Prominente haben an diesem Abend den Weg in die Handelskammer gefunden. So sind u. a. Friede Springer, Moderatorin Susann Atwell, Michael Behrendt von Hapag Lloyd oder Unternehmer Ian Karan unter den Gästen. Schließlich wird mit dieser sechsten »Intermezzo«-Gala auch ein Jubiläum begangen: Der Verein Freunde des Ballettzentrums Hamburg feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.
Um zehn vor acht die feierliche Begrüßung durch John Neumeier. Eigentlich sollte ich nur im Hintergrund aktiv sein, durch einen glücklichen Zufall sitze ich nun ebenfalls an einem der 26 Zehnertische, die rund um die Bühne angeordnet sind – eine Herausforderung für die Redner und Tänzer, die ihre Aufmerksamkeit im Radius von 360° verteilen müssen. Gut, sage ich mir im Stillen, dass ich mich doch fürs lange Abendkleid entschieden habe. Man weiß ja nie.
Neumeier verkündet das Thema des Abends: »Thank you«. Denn die Förderer stellen jedes Jahr 250.000 Euro für Stipendien der Ballettschüler, Reisen zu Wettbewerben wie dem Prix de Lausanne oder Deutschkurse zur Verfügung. Nur durch diese Unterstützung können sie hier ihre Ausbildung erhalten, unabhängig vom finanziellen Background ihrer Familie. Danke sagen dürfen stellvertretend für alle geförderten Talente, die aus mittlerweile 20 Nationen stammen, auch fünf von Neumeiers SchülerInnen.
Ballettschüler und John Neumeier © Franziska Krug
Und Sasha Riva, seit dieser Spielzeit in der Compagnie, drückt seine Wertschätzung tanzend aus – »Thank you« heißt das von ihm selbst choreografierte sechsminütige Solo.
Der erste Teil des Abends gehört ganz der Ballettschule, die sich zunächst mit einem Napoleonmarsch, dann mit einem von Gabriela Finardi, ehemalige Schülerin der Ballettschule und seit dieser Spielzeit Mitglied des Bundesjugendballetts, choreografierten Pas de deux, schließlich mit einem polnischen Männervolkstanz und zuletzt mit dem Blumenwalzer aus dem »Nussknacker«, von Kevin Haigen eigens für die Schule adaptiert, präsentieren darf. Unsere kleine Runde tauscht am Tisch während der kurzen Pausen zwischen den Darbietungen anerkennende Blicke.
Das Motto des Abends »Thank you« bestimmt auch die Ansprachen der beiden Rednerinnen, die neben John Neumeier das Wort ergreifen: Kultursenatorin Barbara Kisseler dankt John Neumeier in ihrer Funktion als Schirmherrin, Karin Martin, Vorsitzende des Fördervereins, den Mitgliedern der »Freunde des Ballettzentrums«. »Als Tänzer legen wir großen Wert auf Tradition«, so Neumeier. »Wir vergessen niemanden«. Und überreicht den Damen vom Vorstand sowie der ehemaligen Vorsitzenden Kay Kruse ein Meer aus Blumen.
Auf der Bühne wird es zunehmend romantisch. Anna Laudere und Edvin Revazov berühren mit dem weißen Pas de deux aus Neumeiers »Kameliendame«, Anna Polikarpova und Lloyd Riggins wecken Frühlingsgefühle mit »Seasons – The Colours of Time« und Starballerina Alina Cojocaru glänzt mit Thiago Bordin beim Hochzeits-Pas de deux aus »Ein Sommernachtstraum«. An unserem Tisch wird es bei der stimmungsvollen Atmosphäre plötzlich ganz still.
Alina Cojocaru und Thiago Bordin © Franziska Krug
Sichtlich gerührt darf Neumeier dann gegen 23 Uhr eine »Uraufführung« ankündigen: zum ersten Mal präsentiert sich das Bundesjugendballett gemeinsam auf einer Bühne. Gabriela, Natalie, Yukino, Daan, Graeme, Maurus und Patrick zeigen die Improvisationen mit denen sie im April die Jury beim Vortanzen von sich überzeugt haben, – und beweisen dabei, dass sie es in der kurzen Zeit seit dem offiziellen Start am 15.9. bereits zu einem »Wir«-Gefühl gebracht haben. Wenn Winnie Dias Pinto aus Brasilien diese Woche anreist, dann sind sie auch endlich komplett.
Zum Dessert erleben wir noch einmal die Compagnie: Alexandre Riabko und Ivan Urban tanzen mitreißend »Opus 100«, die Freundschaftserklärung von John Neumeier an Maurice Béjart, und zum Finale sorgen beim Donauwalzer Hélène Bouchet und Carsten Jung inmitten von Ballettschülern für den krönenden Abschluss des Abends, an dem ein Betrag an Spendengeldern von 190.000 Euro für die Ballettschule zusammen kamen.
Hélène Bouchet und Carsten Jung © Franziska Krug
Gegen Mitternacht klingt das glanzvolle Galadiner langsam aus – was für ein wunderschöner Abend!
Am Ausgang nehme ich wie alle Gäste eine rote Rose mit nach Hause. So endet nicht schon bei der Fahrt im Taxi die Erinnerung an dieses festliche Ereignis, sondern es zieht auch in mein Wohnzimmer noch ein Duft von der Ballettgala ein.
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