Text von Daniela Rothensee Heute Abend ist Premiere der »Jungen Choreografen« des HAMBURG BALLETT. Gestern öffnete sich im Schauspielhaus der Vorhang zur Generalprobe. Ich war dabei und habe mit Alban Pinet, einem der Choreografen über sein Stück gesprochen.
Schauspielhaus, 11 Uhr morgens. Auf der Bühne sind Stühle. Mit dem Rücken zu uns sitzen vier Menschen. Sie räkeln sich, wie am Morgen nach dem Aufwachen. Sie schälen sich aus ihren Hemden. Es sind zwei Paare: zwei Frauen, zwei Männer. Eine Frau (Yuka Oishi) verbirgt ihr Gesicht unter einem Hemd, das sie wie einen Turban um ihr Gesicht gewickelt hat. Sie reißt es herunter und beginnt ein dynamisch, aggressives Solo. Elektrosounds von Jon Hopkins – harte Bässe und doch nicht ohne Melodie. Klangräume, die ein Geheimnis bergen. Die Tänzerin wischt mit dem Hemd den Boden. Dann schlüpfen sie und ihr Partner (Aleix Martínez) jeder in einen Ärmel. Teilen Sie das letzte Hemd? Vielleicht ist das Hemd auch der seidene Faden, an dem ihre Beziehung hängt. Ist es Liebe? Hin und wieder tauschen sie Partner mit Sophie Vergères und Marcelino Libao.
Text von Daniela Rothenseee Es ist Mittwoch, der 21. März. Weniger als eine Woche bis zur Premiere der »Jungen Choreografen« im Schauspielhaus. Auf der Bühne an der Kirchenallee 39 steht Vladimir Kocić, der Technisch-künstlerische Koordinator des HAMBURG BALLETT. Es ist Beleuchtungsprobe. Vladimir klebt die letzte Platzmarkierung auf den Bühnenboden, die später den Tänzern bei der Orientierung helfen wird. Der Spot des Scheinwerfers richtet sich auf ihn. Dann gibt er sein OK: Bühne frei für die Tänzer.
»Zozula« heißt das Stück von Edvin Revazov; das bedeutet Kuckuck. Gleich fünf Kuckucke hat Edvin choreografiert – wenn man denn die Wesen, die sich nur in der Hocke und mit schnellen Trippelschritten fortbewegen als Vögel deuten darf. Die Schultern hochgezogen, die Hände auf den Knien bleiben sie eher Bodentiere. Sie sind in Edvins Kreation mit nacktem Oberkörper und schwarzem Flatterrock aus dem Ei geschlüpft. Seile, die an Lianen erinnern, hängen von der Decke. Eine Naturkulisse, vor der vier Tänzer und eine Tänzerin ihre Flugversuche unternehmen. Kreuz und quer über die Bühnen jagen sich mit kleinen, schnellen Schritten Konstantin Tselikov und Alexandr Trusch. Dann bleibt Takeshi Ikeda allein zurück. Bewegungslos bleibt er am hinteren Bühnenrand liegen. Schläft er? Für den zweiten Teil der Choreografie hat Edvin Musik von David Lang gewählt. Zachary Clark stupst Sophie Vergères leicht mit dem Kopf an. Ein Männchen auf der Balz? Ein Pas de deux im Kuckucksnest – und noch sechs Tage bis zur Premiere.
Am 27. und 28. März gastieren die »Jungen Choreografen« des HAMBURG BALLETT erneut am Deutschen Schauspielhaus. Wir starten eine kleine Blog-Reihe und begleiten sie auf ihrem Weg zur Premiere in zwei Wochen. Ein Einblick in die erlebnisreiche Zeit der Proben bis hin zum fertigen Stück.
von Daniela Rothensee Es ist Mittwoch der 14. März, 13.30 Uhr. Noch zwei Wochen bis zur Premiere der »Jungen Choreografen« im Deutschen Schauspielhaus am 27. März. Im Ballettsaal »Petipa« besuche ich eine Probe von Constant Vigier zu seinem Stück »3x2 für M & M«. Der Franzose hat unlängst seinen 21. Geburtstag gefeiert. Seit 2011 tanzt er als Aspirant im Ensemble des HAMBURG BALLETT. Gerade zeigt er seinem Kollegen Marcelino Libao eine Hebung für ein Pas de deux – ohne Partnerin eine kniffelige Unternehmung, wie sich beim ersten Versuch zeigt. »Where’s her leg again?« Marcelinos Hand weiß im luftleeren Raum nicht recht wohin. Constant versucht ihm den Frauenpart zu vermitteln, indem er selbst sich kurzerhand in seine Arme wirft. Am Rande des Saales liegt ihre Kollegin Xue Lin auf dem Rücken, die Oberschenkel zum Stretch eng an den Bauch gezogen. Die ulkigen Versuche der beiden amüsieren sie. Ab und zu lässt sie ihr helles Lachen erklingen. »Xue, could you please come and do it?« ruft Constant sie. Mit konkreter Frau im Arm tanzt es sich gleich besser.
In unserem Blog erzählen die Mitglieder des HAMBURG BALLETT in regelmäßigen Abständen ganz Persönliches vom Leben hinter den Kulissen – denn das ist bunter, als viele denken. Deshalb gibt es hier nicht nur Geschichten, sondern auch Fotos und kurze Videos für einen vielseitigen Einblick in eine ganz besondere Welt.