Michael Court © Eike Harder
von Ann-Kristin Müller
Die Uhr tickt. In nunmehr drei Tagen eröffnet »Renku« die diesjährigen Ballett-Tage und sorgt für freudige Aufregung im HAMBURG BALLETT – und bei Michael Court. Rot, schwarz, weiß – Mit weiten Stoffen und klaren Farben untermalt Michael Court das Ballett von Yuka Oishi und Orkan Dann und ergänzt es durch seine Mode um eine weitere Kunstform. Der junge Modedesigner und Gewinner des European Fashion Award – FASH 2010 ist Teil eines umfangreichen Interaktionsspiels, das mehr schafft, als die Handschriften zweier Choreografen zu verbinden. Wie er seine Arbeit zu »Renku« empfunden hat und welches Potenzial die Interaktion von Ballett und Mode seiner Meinung nach hergibt, berichtet er im Interview:
Mode und Ballett sind zwei Kunstformen, die sich erst einmal unterscheiden. Lief der Kreationsprozess der Kostüme anders ab, als für eine normale Kollektion?
»Der Tänzer steht bei meiner Arbeit, so wie jeder andere, für den ich Kleidung erschaffe, an erster Stelle! Ich versetze mich gerne in die Haut des anderen, beobachte seine Persönlichkeit und Bewegungen. Mir ist dabei aber grundlegend wichtig, die Personen nicht zu verkleiden. Deshalb bezeichne ich meine Arbeit auch ungern als Kostümarbeit, auch wenn man bei der Umsetzung davon spricht. Man erhält dadurch bereits die Anmutung von einer bestimmten Rolle die man spielen oder sein muss. Das versuche ich, so gut es geht, zu vermeiden. Der Stoff sowie die Form der Kleidung haben ihre eigenen Charakterzüge. Diese gilt es zu integrieren um eine Symbiose zwischen dem Träger und seiner Kleidung aufklingen zu lassen. Beim Ballett und dem täglichen Gebrauch von Mode gibt es aber prägnante Unterschiede die bei der Umsetzung zu beachten sind: Bewegungsfreiheit, Längen der Kleider, Beanspruchung des Materials, um nur Wesentliche zu nennen. In meinen Augen ist der Arbeitsprozess jedoch gleich.«