Rachel Gimber organisiert als Gastspielleiterin des HAMBURG BALLETT – John Neumeier die aktuelle US-Tournee.
Pia Christine Boekhorst hat mit ihr gesprochen.
Rachel Gimber auf einer Tourneekiste © Jérôme Cholet
Seit dem 30. Januar ist das Hamburg Ballett auf US-Tournee. Chicago, Costa Mesa und San Francisco stehen auf dem Reiseplan des insgesamt dreiwöchigen Gastspiels. Sicherzustellen, dass alle Beteiligten samt Bühnenbildern, Kostümen und Spitzenschuhen in die USA einreisen können, gut untergebracht sind und auf der Bühne stehen, ist der Job von Rachel Gimber. Erst im August 2011 hat sie die Stelle der Tourmanagerin übernommen und bereits bei ihrem ersten Vorstellungsgespräch war das Heimatland des Ballettdirektoren und Chefchoreografen John Neumeier als Gastspielziel Gesprächsthema. Seitdem hat das Großprojekt US-Tournee Rachel Gimber nicht mehr losgelassen. In unserem Blog spricht Pia Christine Boekhorst mit ihr über die verschiedenen Phasen eines Gastspiels.
Zu Beginn der Vorbereitungen einer Tournee geht es darum, mit den Spielstätten zu verhandeln und die Basisvereinbarungen zu treffen. Das bedeutet: Viele Emails gehen zwischen dem HAMBURG BALLETT und den Theatern des Gastspiellandes hin und her bis ein Grundgerüst steht. Rachel Gimbers oberstes Ziel ist, dass keiner zuhause bleiben muss. Dazu meint die Tourmanagerin: »Das Wichtigste sind lustigerweise Zahlen. Wir haben eine sogenannte ›Magic Number‹ für jede Tournee und das ist die Anzahl der Leute, die mitkommen. Ich muss bei all meinen verschiedenen Listen – Flügen, Hotelreservierungen, Visainformationen – auf dieselbe Zahl kommen. Ansonsten habe ich jemanden verloren.« Diese US-Tour mit ihren drei verschiedenen Spielstätten stellt die Tourmanagerin vor besondere Herausforderungen, weil manche Mitarbeiter des HAMBURG BALLETT nur an einem oder zwei Orten dabei sind. Deshalb gibt es dieses Mal drei »Magic Numbers« und alles ist etwas komplizierter.
»Normalerweise, wenn alles nach Plan läuft, sind zwei Monate bevor die Tour beginnt alle großen Entscheidungen getroffen, vor allem wenn wir einen Zeitrahmen einhalten müssen, zum Beispiel bei unseren Visaanträgen«, erklärt die Gastspielleiterin. Dabei überrascht jedes Land mit spezifischen Eigenheiten. »Vielfach scheint alles organisiert. Wenn man dann aber tatsächlich vor Ort ist, tun sich noch Lücken auf. Im Falle der USA müssen wir vor allem mit den Gewerkschaften eng zusammenarbeiten. Sie geben den Rahmen unserer Arbeit vor.«
In der letzten Woche vor einer Tournee treten die Vorbereitungen in eine neue Phase. Da werden die Flugtickets verteilt und kleine Pakete für alle Mitreisenden geschnürt. Diese beinhalten u.a. ein Reiseheft mit einem detaillierten Zeitplan. »Das Reiseheft gibt Informationen darüber, wo wir wohnen, wie man vom Hotel zum Theater kommt, wo der Bühneneingang ist, ob es eine Kantine gibt, wo man eine Apotheke findet«, erläutert Rachel Gimber. Vor Ort dann entfaltet eine Tournee dann doch ihre ganz eigene Dynamik: »Ich sage immer, dass es einen Punkt gibt, an dem man aufhört zu planen und anfängt zu reagieren. Auf Tour muss man jonglieren können. Man hat den Grundstein gelegt, man hat sich alle möglichen Probleme vorgestellt und Lösungen gesucht, aber es gibt immer Dinge, die unerwartet auftauchen. Da muss man spontan reagieren können.«
Bei all dem ist Rachel Gimber gleichzeitig Ansprechpartnerin für Probleme jedweder Art. Besonders die jungen Tänzer empfinden sie als eine sichere Anlaufstelle. Und genau das trägt dazu bei, dass ihr Job so vielfältig ist und sie mit Überzeugung sagen kann: »Ich liebe meine Arbeit. Ich habe mit sehr vielen verschiedenen Menschen zu tun. So arbeite ich eng mit den Technikerinnen und Technikern zusammen, spreche mit Reiseveranstaltern auf der ganzen Welt und habe auch zu unseren Tänzerinnen und Tänzern viel Kontakt.« Die Gastspielleiterin kümmert sich darum, dass es ihnen gut geht.
Der Job passt zu ihr, weil sie einfach eine Organisationsfanatikerin ist. Sie liebt Listen und Pläne. Die richtige Belohnung für all die Arbeit aber ist, wenn sie die Compagnie auf der Bühne sieht. Der Moment, wenn sie in der Seitengasse steht und die positiven Reaktionen des Publikums miterlebt, macht alle Anstrengungen vergessen. »Ich hoffe dann, dass ich einen kleinen Teil dazu beigetragen konnte,« sagt die Tourmanagerin.
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